Feuerlauf – wirkliche Gefahr oder alles nur Show?

181,9 Meter.

Ist der aktuelle Weltrekord im Kohle laufen.

Das ist länger als ein Fußball Feld!

 

Der normale Feuerteppich, den man als „Amateur“ läuft, ist 4 bis 8 Meter lang.

 

Das Thema Feuerlauf ist in aller Munde und wird von vielen Mentaltrainern gehypt.

 

Ist der Feuerlauf wirklich gefährlich, ist es nur Show oder geschieht alles tatsächlich im Kopf? Das wollen wir heute erörtern und als erstes möchte ich mit einigen Mythen zum Thema aufräumen.

 

Legen wir los.

Feuerlauf Mythos #1 – über 1.000 Grad heiße Kohlen

Oft lese ich, dass die Kohlen über 1.000°C haben. Das ist auf den ersten Blick eine Zahl, die abschreckt, wenn man bedenkt, dass kochendes Wasser um die 100°C hat.

 

Die Holzkohle, die für den klassischen Feuerlauf in Seminaren verwendet wird, bewegt sich in der Regel zwischen 400°C bis 700°C.

(Die Weltrekordkohlen lagen übrigens bei 650°C bis 850°C.)

 

Das die Temperatur stark schwankt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Die Art der Kohle, der Untergrund, das Wetter usw.

Ich habe es zudem bei noch keinem Feuerlauf erlebt, dass der Trainer vorher das Thermometer gezückt hat, um die Temperatur zu messen.

 

Aber vielleicht wäre das eine Maßnahme für die Zukunft?

 

Feuerlauf Mythos #2 – Kopfsache oder Physik?

Beides.

 

Selbst bei einem 4 Meter Feuerteppich, wo man in wenigen Sekunden darüber gerannt, kann man sich die Füße verbrennen.

Der größte Teil der Teilnehmer läuft unversehrt über die glühenden Kohlen. Trotzdem gibt einen kleinen Bruchteil an Teilnehmern, die Brandblasen bekommen.

 

Die geistige Haltung spielt eine wesentliche Rolle dabei, sonst bräuchte man den ganzen Zauber gar nicht machen.

 

Ich habe Teilnehmer erlebt, die am Feuerteppich standen und kurz vorm Loslaufen Zweifel bekommen haben. Zweifel, Ängste oder der Gedanke „scheise, ist das heiß, ich werde mich verbrennen“. Genau diese Teilnehmer haben sich beim Feuerlauf dann auch verbrannt.

 

Allerdings kommt es nicht darauf an, ob man eine Brandblase davon getragen hat oder nicht. Es geht um die Erfahrung und die Überwindung seiner mentalen Grenzen.

 

Kommen wir zum spannendsten und meist diskutabelsten Punkt.

 

Trever McGhee, der Weltrekordhalter der 181,9 Meter, sagt in seinen Seminaren, dass der Feuerlauf zu 80% Physik ist. Laut Kollege Pareto bleiben dann noch 20% für den Kopf.

 

Es gibt genaue Richtlinien, welches Holz man verwendet, wie es angebrannt wird, wie die Kohlen angeordnet werden, sodass die Wahrscheinlichkeit sich zu verbrennen so gering wie möglich gehalten wird.

Feuerlauf Mythos #3 – du brauchst einen Mentaltrainer

Wir haben gelernt, dass 80% des Feuerlauf Physik sind. Ein Mentaltrainer ist rein rational gesehen völlig überflüssig. Weder trägt er dich über die glühenden Kohlen, noch kann er verhindern, dass du dir die Füße verbrennst.

 

Wir haben bisher geklärt, dass du so kurz auf dem Feuerteppich stehst, dass das Vebrennen der Füße unwahrscheinlich ist. Außerdem weißt du, dass es keine 1.000 Grad heißen Kohlen sind.

Nun stell dir mal vor, deine Füße stehen 20 Zentimeter von den glühenden Kohlen entfernt. Die Hitze steigt dir ins Gesicht. Du kannst es fast nicht aushalten.

 

Würdest du allein über das Feuer gehen? Nein, natürlich nicht. Das würde (fast) niemand machen.

 

Hier müsste jetzt so ein Balken kommen mit dem Schriftzug „Bitte nicht zu Hause nachmachen.“ Grins.

Davon abgesehen, sind da einige Dinge zu beachten wie in #4 beschrieben.

 

Wir fassen zusammen:

Einen Mentaltrainer brauchst du theoretisch nicht. Aber da wir hier in der Praxis sind, würde ich dir den Feuerlauf zwingend NUR mit einem ausgebildeten Feuerlauftrainer an Herz legen!

Feuerlauf Mythos #4 – Hornhaut schützt die Füße vor dem Verbrennen

Das müsste bedeuten, dass Kinder nicht über Feuer laufen könnten, denn sie haben noch keine Hornhaut an den Füßen?

Diese These ist falsch. Auch Kinder können den Feuerlauf machen, ohne sich Brandblasen einzufangen.

Jetzt fragst du dich vielleicht…

 

Warum solltest du einen Feuerlauf machen?

Es ist, glaube ich, ein natürlicher Reiz, seine Grenzen auszutesten und sich diesen „Ruck“ zu geben. Vor allem dann, wenn einige Freunde diesen schon hinter sich gebracht haben.

 

Mit dem Feuerlauf triffst du eine bewusste Entscheidung und sagst NEIN zu deiner Angst. Du überwindest dich selbst, du stärkst dein Selbstbewusstsein, du wächst in deiner Persönlichkeit.

 

Als bleibenden Effekt traust du dir danach auch mehr zu als sonst. Du stärkst deinen Mut und deine Überwindung neues zu tun.

Der Feuerlauf ist eine Metapher dafür alte Muster zu durchbrechen und deine Komfortzone zu erweitern.

 

Oftmals sind wir Gefangene unserer Gedanken. Der Feuerlauf ermöglicht uns einen „Cut“, um alte Denkweisen verändern und einen neuen Schritt gehen; sich dem Unbekannten stellen.

 

Will Smith sagte mal

„Gott platziert die schönsten Dinge hinter der Angst.“

 

Das Symbol „Feuer“

Durch den Feuerlauf zeigen wir einer uralten Angst die Stirn.

 

Feuer hat viele positive Eigenschaften, wie Wärme, Licht oder ein Steak grillen.

 

Feuer hat auch verschiedene religiöse und kulturelle Bedeutungen.

Du kennst vielleicht das Festival „Burning Man“ in den USA oder den berühmten Phönix aus der Asche?

 

Das Spannungsverhältnis zwischen der Beherrschung des Feuers und der Nutzung des Feuers war schon immer gegeben.

Möglicherweise hast du auch eine bestimmte Kindheitsprägung in Zusammenhang mit Feuer.

 

Feuer kann auch Schmerzen verursachen und Verbrennungen. Die Angst vor dem Feuer ist ganz logisch und natürlich.

 

Mein Feuerlauf

Der Feuerlauf ist als Metapher zu sehen.

 

Teilweise ist die Vorbereitung auf den Feuerlauf langatmig und in wenigen Sekunden ist es vorbei.

 

Deshalb nicht enttäuscht sein, wenn du es als „unspektakulär“ im Nachhinein betrachtest. So ging es mir zumindest.

 

Aber, ist es nicht meistens so, dass wir die Angst vor etwas riesig aufbauschen und wenn wir es hinter uns gebracht habend es am Ende viel viel kleiner war?

 

Genau darum geht es!

 

Sich seiner Angst stellen, die Entscheidung treffen diese Angst zu überwinden und im Nachhinein mit dem Wissen herauszugehen, dass Angst völlig unbegründet ist.

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